Quellenerschließung3. Die Regesta Imperii (RI)Regestendatenbank der Regesta Imperii

Regestendatenbank der Regesta Imperii

von Yannick Pultar (Mainz)

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Das Herzstück von RI-Online bildet die Regestendatenbank, in der die Arbeitsergebnisse der RI, die Regesten, gemeinsam, vereinheitlicht und digital aufbereitet verfügbar gemacht werden. Die Datenbank umfasst einen Gesamtbestand von derzeit fast 200.000 Datensätzen. Neben den über 140.000 Herrscher- und Papstregesten, die sich aus den Ergebnissen der Druckbände speisen, werden hier unter dem Label RIplus ergänzend weitere Regesten präsentiert: rund 15.000 rudimentäre born-digital-Regesten zu bisher nicht, nur teilweise oder unzureichend bearbeiteten Herrschern wie Karl IV. oder Wenzel, 9.000 Datensätze von Partnerprojekten zu weiteren Reichsgewalten wie dem königlichen Hofgericht oder den Gemahlinnen der Luxemburger Könige bzw. Kaiser sowie 32.000 Stücke zu anderen Reichsfürsten wie den Pfalzgrafen, den Mainzer Erzbischöfen oder den Augsburger Bischöfen.

Collagen (Victor Westrich): Digitalisierung einer Urkunde, rechts Kaiser Friedrich III. 

Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit

Die Datenbank ist frei zugänglich und die Inhalte können unter einer CC BY-Lizenz nachgenutzt werden. Eine REST-Schnittstelle sowie die Auszeichnung der Daten in CEI-XML stellen sicher, dass eine Nachnutzung auch in der Praxis problemlos erfolgen kann. Für Nutzer*innen, die mit der Handhabung von Schnittstellen nicht vertraut sind, besteht die Möglichkeit den Datenbestand direkt herunterzuladen. Inzwischen werden alle neu veröffentlichten Bände unmittelbar nach Anfertigung der digitalen Repräsentation ohne Moving Wall in die Datenbank eingespeist (Open Access Gold).

Struktur und Suchoptionen

Das Layout der Datenbank orientiert sich an der Form der Druckausgaben, wobei die Heterogenität der Regesten, etwa der Unterschiede zwischen aktuellen Bänden und denjenigen aus dem 19. Jahrhundert, zwischen Herrscher- und Papstregesten und zwischen Regesten zum Früh- bzw. Hochmittelalter und zum Spätmittelalter behutsam eingeebnet werden, um eine gemeinsame Nutzung und Durchsuchbarkeit zu ermöglichen. Daher erfolgt die Darstellung der Datenbank strukturiert nach Abteilungen und Einzelbänden, zu sehen unter dem Reiter „Bände“. Die Suchfunktionen sind dabei abteilungs- und bandübergreifend nutzbar. Neben der einfachen Suche auf der Startseite ermöglicht die „Expertensuche“ Recherchen für Bände, Abteilungen oder für bestimmte Zeiträume. Verschiedene Elemente der Regesten, wie Ausstellungsort, Regestentext, Überlieferung und Kommentar, können hierbei einzeln durchsucht werden. Über die Merklistenfunktion können temporäre Sammlungen für die eigene Forschung angelegt werden.

Die Regesten sind mit anderen digitalen Ressourcen zur mittelalterlichen Geschichte vernetzt. Stückgenau verlinkt wird nicht nur zu den Editionen der MGH, sondern auch wechselseitig zu anderen Editionen wie dem Württembergischen Urkundenbuch (WUB), dem Lünig’schen Reichsarchiv und zu Urkundenabbildungen wie dem Angebot des Lichtbildarchivs Marburg (LBA). Ebenso gibt es Verlinkungen zu den digitalen Angeboten der Hessischen Staatsarchive sowie zum Münchener Abbildungsverzeichnis der europäischen Königs- und Kaiserurkunden (AVEKK). Die Links sind jeweils in der rechten Spalte in der Regestenansicht zu finden.

Zentrale Strukturelemente der Regesten sind bzw. werden, soweit vorhanden, grundsätzlich im gesamten Bestand ausgezeichnet, sodass sie abgefragt, in der Regestenansicht hervorgehoben dargestellt oder über die Schnittstelle nachgenutzt werden können. Andere Elemente wie Originaldatierungen, Kanzleivermerke, Zeugen oder Incipits sind nur für bestimmte Regesten relevant und tauchen nur dort auf. Die zahlreichen Verweise auf andere Regesten werden auf diese verlinkt und Verweise auf Editionen und Literatur führen zu den bibliographischen Einträgen im RI OPAC. Diese sind aktuell primär bei neueren Bänden verlinkt.

Genese der Datenbank

Die leicht unterschiedlichen Bearbeitungsstände der Daten sind nicht nur in der Heterogenität der Regesten begründet, sondern auch in der Geschichte der Datenbank. In den 00er Jahren wurden im Rahmen eines der ersten von der DFG geförderten Digitalisierungsprojekte digitalisiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, seit 2007 in einer Datenbankform, die schon erste Funktionen über eine Volltextsuche hinaus zuließ. Funktionserweiterungen in den Folgejahren, die den jeweiligen technischen Entwicklungen und den sich ändernden Nutzer*innenerwartungen versuchten Rechnung zu tragen, machten eine tiefere Erschließung der Daten erforderlich, die nicht immer für den gesamten Bestand geleistet werden konnten. Aktuelle Bände wurden und werden unmittelbar aufbereitet, früher erschienene können nur sukzessive tiefer erschlossen werden.

Aktualität und Zitierfähigkeit

Die Texte der Regesten werden nicht weiterbearbeitet, sondern bilden den Forschungsstand bei ihrem Erscheinen ab und bleiben so analog zu den Druckbänden zitierfähig. Unter jedem Regest finden sich ein Zitierhinweis und ein Permalink. Lediglich Ergänzungen und Korrekturen, die die Bearbeiter*innen des jeweiligen Regests selbst vorgenommen haben und die etwa in Folgebänden abgedruckt sind, werden mit einer Markierung ergänzt. Für Nutzer*innen besteht darüber hinaus unter jedem Regest die Möglichkeit, Nachträge einzureichen, die geprüft und nach Freigabe unterhalb des ursprünglichen Regests unter dem Namen des jeweiligen Einreichenden erscheinen. Die bisher rund 2000 Nachträge, die gesammelt unter dem gleichnamigen Reiter gefunden werden können, bieten v.a. Ergänzungen zur Überlieferung und aktuelle Literatur, dienen im Einzelfall aber auch der Forschungsdiskussion. So können Datensätze, die auf jahrzehntealten Regesten beruhen, einen aktuellen Forschungsstand abbilden.

Register

Unter dem Reiter „Bandregister“ finden sich aktuell primär PDFs derselben. Die digitale Aufbereitung der umfangreichen Register stellt ein Desiderat dar. Da die Daten inhaltlich und strukturell noch deutlich heterogener als die Regestendaten selbst sind, ist eine einheitliche Darstellung und gemeinsame Durchsuchbarkeit kaum möglich. Doch die unzähligen Einträge zu Orten, Personen und Institutionen können nicht nur als Wegweiser zu den Regesten dienen, sondern einen eigenständigen Mehrwert bieten, etwa durch Lokalisierungen, Identifizierung, Auflistungen von Ämtern sowie Namensvarianten und durch die Anreicherung mit Normdaten zur Verknüpfung mit externen Inhalten.

Aktuell ist eine Datenbankversion des gemeinsamen Registers aller Hefte zu Kaiser Friedrich III. als Prototyp online. Weitere Register werden demnächst folgen. Daher werden unter allen Friedrich III.-Regesten zusätzlich alle dazugehörigen Registereinträge angezeigt, die auf das digitale Register verlinken.

Weitere Angebote

Neben der Regestendatenbank und dem RI OPAC betreibt RI-Online weitere Spezialdatenbanken, die insbesondere die Arbeitsergebnisse von Projekten Dritter mit Bezug zu den Regesta Imperii der Öffentlichkeit zugänglich machen und vorhalten. Hierzu gehören etwa die „Kommissionsdatenbank“ mit Einträgen zu von Kaiser Friedrich III. eingesetzten Kommissionen zur Klärung von einzelnen Konfliktfällen oder die 2021 in Erlangen fertig gestellte Datenbank zu päpstlichen Netzwerken im 9. Jahrhundert.

Rezensionen der RI Online:

Zitiervorschlag
Yannick Pultar: Die Regesta Imperii – Regestendatenbank, in: Mathias Kluge (Hg.), Mittelalterliche Geschichte. Eine digitale Einführung (2021). URL: http://mittelalterliche-geschichte.de/pultar-01