RI OPAC

von Yannick Pultar (Mainz)

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die bibliographische Datenbank RI OPAC sollte ursprünglich als digitales Literaturverzeichnis der Regestendatenbank dienen. Heute stellt der RI OPAC die weltweit größte Literaturdatenbank für die mediävistische Forschung mit inzwischen über 2,6 Millionen verzeichneten Titeln dar.

Coverflow des RI OPAC (Victor Westrich) 

Erschlossene Literatur

Die Datenbank verzeichnet Werke auch entlegenster Provenienz und erschließt bis auf die Artikelebene. Fast 2 Millionen Datensätze stellen Artikel aus Sammelbänden und Zeitschriften dar. Sie berücksichtigt alle mediävistischen Teilgebiete von den Sprach- und Literaturwissenschaften über die Theologie und Medizingeschichte bis hin zur Archäologie und zur Kunstgeschichte. Aufgenommen werden Publikationen vom 16. Jahrhundert bis heute, die sich mit der Zeit von der Spätantike bis zur Reformation beschäftigen. Erfasst werden grundsätzlich Publikationen aus dem gesamten europäischen Sprachraum, wobei deutsche, englische, französische und italienische Titel den Hauptteil ausmachen.

Die Datenbank bietet allerdings keinen Nachweis darüber, in welchen Bibliotheken die Werke verfügbar sind oder, auch dies ist eine oft gestellte Frage von Nutzer*innen, wo die Werke erworben werden können. Bei Einträgen zu Monographien und Sammelbänden wird jeweils unter der Titelanzeige angeboten, die Suche an den Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK) zu übergeben und analog wird bei Zeitschriften verfahren, wo auf die Zeitschriftendatenbank (ZDB) verwiesen wird. Bei frei digital verfügbaren Publikationen wird der jeweilige Link verzeichnet.

Suchoptionen

Der RI OPAC kann frei über verschiedene Suchoptionen – die „Schnellsuche“ auf der Startseite, die Suche nach „Titelstichwörtern“ oder die optionenreiche „Suchmaske“ – durchsucht werden. Eine besondere Recherchemöglichkeit bietet der systematische Thesaurus, der es ermöglicht, sich Einträge in der Datenbank nach Themenbereichen, Zeitabschnitten oder regionaler Zuordnung anzeigen zu lassen und so gezielt Spezialliteratur zu suchen. Neben den Suchfunktionen ist er auch über eine Baumstruktur ansteuerbar, die ein erkundendes Stöbern erlaubt. Etwa der thematische Thesaurus bietet rund 600 hierarchisch nach Disziplinen angeordnete Lemmata wie Phonologie, Zentgerichte, Bilderverehrung oder Sepulkralkultur. Im vierten Thesaurusbereich „Autoren“, werden Verzeichnisse von Werken von und zu einzelnen Personen angeboten. Die Verschlagwortungen dienen nicht allein dazu eine Auffindbarkeit von Titeln über die Thesaurus-Suche zu ermöglichen, was insbesondere bei der Nutzung des zeitlichen Thesaurus gewinnbringend ist. Vielmehr werden die Schlagwörter auch bei der Standardsuche („Schnellsuche“) mitberücksichtigt und verbessern so die Suchergebnisse erheblich, u.a. dadurch, dass so auch Titel in anderen Sprachen gefunden werden können.

Nutzen und Nutzung

Die Daten des RI OPAC stehen analog zur Regestendatenbank unter einer CC BY-Lizenz zur Verfügung und können über eine Schnittstelle (OAI-PMH) genutzt werden. Dies ermöglicht den Nutzer*innen etwa die einfache Übernahme der Daten in Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero.

Der RI OPAC wird durch regelmäßige Updates fortdauernd erweitert, kann aber niemals ganz aktuell sein. Seine eigentliche Leistung besteht nicht in der Aufnahme der Titel, die nicht streng nach bibliothekarischen Standards erfolgt, sondern im Auffinden der Neuerscheinungen in sehr diversifizierten Publikationslandschaften, die teilweise noch analog geprägt sind und einen immer größeren Output haben. Daher ist die kleine Redaktion auf Mithilfe Dritter angewiesen, beispielsweise durch die Meldung von Titeln, Korrekturen durch Nutzer*innen über Formularmasken und durch Kooperationen wie mit dem mediävistischen Publikationsportal AMAD oder dem Fachinformationsdienst Geschichte. Im Rahmen dieser Kooperationen werden Teile des RI OPAC auch in den Portalen des Fachinformationsdienstes Geschichte oder im Metasuchportal Propylaeum des Fachinformationsdienstes Altertumswissenschaften gelistet. Über Personennormdaten (GND im Autorenthesaurus) verweisen auch zahlreiche weitere Portale wie die Deutsche Biographie oder die Personendatenbank der Germania Sacra auf den RI OPAC.

Yannick Pultar: Die Regesta Imperii – RI OPAC, in: Mathias Kluge (Hg.), Mittelalterliche Geschichte. Eine digitale Einführung (2021). URL: http://mittelalterliche-geschichte.de/pultar-02