Geschichte der Regesta Imperii

von Steffen Krieb (Mainz)

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Die Anfänge der Regesta Imperii gehen auf den Frankfurter Stadtarchivar und -bibliothekar Johann Friedrich Böhmer (1795-1863) zurück, der 1829 damit begann, ein chronologisches Verzeichnis der Urkunden der römisch-deutschen Könige und Kaiser anzulegen, das bereits 1831 unter dem Titel „Regesta chronologico-diplomatica regum atque imperatorum Romanorum inde a Conrado I. usque ad Henricum VII. Die Urkunden der römischen Könige und Kaiser von Conrad I. bis Heinrich VII. 911-1313. In kurzen Auszügen mit Nachweisung der Bücher, wo solche abgedruckt sind.“ im Druck erschien. Darin gab er in Kurzfassung den wesentlichen Inhalt der Urkunden wieder und verzeichnete, wo diese gedruckt oder in Archiven zu finden waren. Dieses Verzeichnis war ursprünglich als Vorarbeit für die Edition der Urkunden durch die Monumenta Germaniae Historica gedacht, die 1819 in Böhmers Heimatstadt Frankfurt gegründet wurden.

J. F. Böhmer (1795-1863), Gemälde von Amélie de Barrelier, 1845.
Titelblatt des ersten Regestenbandes (1831).

Böhmer war nicht der erste Gelehrte, der Urkunden zur Geschichte des mittelalterlichen Reiches sammelte und als Regesten publizierte, er stellte jedoch wissenschaftliche Ordnungsgrundsätze auf und entwickelte sie damit zu einer eigenständigen Form der Quellenerschließung und -publikation. Die Grundsätze der Regestentechnik entwickelte er in den in rascher Folge publizierten Bänden weiter. Bereits 1833 veröffentlichte er die Regestenbände zu den Karolingern, 1839 zu Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen, für die in den Jahren 1841, 1846 und 1865 Ergänzungen erschienen. 1844 publizierte Böhmer die Regesten der Könige von 1246 bis 1313, die 1849 und 1857 ebenfalls zwei Ergänzungen erfuhren.

Nach Böhmers Tod setzte sein Schüler Julius Ficker die Arbeit fort, zunächst durch die Herausgabe des dritten Ergänzungsbandes zu den Regesten Ludwigs des Bayern aus dem Nachlass des Verstorbenen. Da Ficker seit 1852 als Professor an Universität Innsbruck lehrte, verlagerte sich die Arbeit an den Regesta Imperii für ein ganzes Jahrhundert nach Österreich. In seinem Testament hatte Böhmer für die Herausgabe seines wissenschaftlichen Nachlasses 20 000 Gulden vorgesehen, von denen jedoch nur ein Teil für die Neubearbeitung der Regesten bestimmt war. Dennoch konnte Ficker die durch seine Schüler vorgenommene Neubearbeitung der Regesten finanzieren, ohne das Kapital selbst anzugreifen. Im Jahr 1906 fand das Projekt eine Heimat an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, der für diese Aufgabe 40 000 Mark als „Regestenfonds“ übertragen wurden.

Julius Ficker (1826–1902), deutsch-österreichischer Historiker. Radierung von August Steininger.

Durch die Gründung der „Kommission für die Neubearbeitung der Regesta Imperii“ im Jahr 1939 erhielt das Unternehmen eine dauerhafte institutionelle Verankerung. Von der Wiener Kommission ging der Impuls für die 1967 gegründete „Deutsche Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii e.V.“ aus, die seit 1980 der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz angegliedert ist. Die Wiener Regestenkommission wurde 1998 in das Institut für Mittelalterforschung eingegliedert und ist dort als „Regesta Imperii Wien“ Teil der Abteilung „Editionsunternehmen und Quellenforschung – MIR“. Im Jahr 1994 kam eine Arbeitsstelle an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2013 schließlich eine Arbeitsstelle an der Masaryk-Universität Brno hinzu. Mit Standorten in drei Ländern sind die Regesta Imperii zu einem internationalen Gemeinschaftsprojekt geworden. Die internationale Kooperation mit Wissenschaftler*innen aus anderen europäischen Ländern ist besonders intensiv im Italienprojekt, zu dem sich die Mitarbeiter*innen der Regesta Imperii aus den Arbeitsstellen Saarbrücken, München und Berlin zusammengeschlossen haben. Die in Deutschland angesiedelten Teilprojekte werden durch das Akademienprogramm aus Mitteln des Bundes und der Länder gefördert. Zuletzt wurde 2014 die Laufzeit bis zum Jahr 2033 verlängert.

Zitiervorschlag
Steffen Krieb: Die Regesta Imperii – Geschichte der Regesta Imperii, in: Mathias Kluge (Hg.), Mittelalterliche Geschichte. Eine digitale Einführung (2021). URL: http://mittelalterliche-geschichte.de/krieb-03