Mittelalterliche Geschichte

Unserer Vorstellung entsprechend schrieb Otto über die Antike und das Mittelalter. Seine Vorstellung vom Rythmus der Weltgeschichte orientierte sich an der christlichen Weltalterlehre des Augustinus. Das war im Reich nördlich der Alpen eine bis über das Spätmittelalter hinaus weit verbreitete Vorstellung, die uns vielen Schriften überliefert ist. In einem um 1122 im Norden des Reiches entstandenen Rechtsbuch, dem Sachsenspiegel, wurde sie bildlich dargestellt.
Die Wurzeln des Begriffs "Mittelalter" und der bis heute mit ihm verbundenen Vorstellungswelt gewannen erst im fortschrittlichen Italien des 14. Jahrhunderts allmählich ihre Konturen. Der Prozess ihrer Entstehung basierte ebenfalls auf der Vorstellung von der Verschiedenartigkeit bestimmter Zeitabschnitte, doch lag den Trennlinien ein anderes Geschichtsbild zu Grunde. So ging man dazu über, die Weltgeschichte in drei Zeitabschnitte zu untergliedern, deren ersteren man in der Antike und deren letzteren man in der gerade einsetzenden Renaissance (Wiedergeburt der Antike) erblickte.
In der Mitte, zwischen diesen beiden Zeitabschnitten, sah man eine jüngere Vergangenheit, auf die man mit einer besonderen Geisteshaltung zurück blickte.
Einen frühes Zeugnis, in dem diese Perspektive bereits erkennbar wird, finden wir in einem
Brief des Humanisten Francesco Petrarca aus dem Jahr 1341.
In welche Perioden teilte Petrarca die Vergangenheit ein? Welche Geisteshaltung vertrat er gegenüber der jüngeren Vergangenheit?
Weltalterlehre nach Augustinus, Illustration, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod.Guelf. 3.1 Aug 2, fol. 10 v.