Die √Ąltere Reihe der "Deutschen Reichstagsakten": Konzeptionelle √úberlegungen


von Gabriele Annas (Goethe-Universität Frankfurt)

Lesezeit: ca. 20 Minuten

Gegenstand der √Ąlteren Reihe der "Deutschen Reichstagsakten" sind die Reichsversammlungen vom ausgehenden 14. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, die m√∂glichst weitreichend quellenm√§√üig dokumentiert werden sollen. Mit diesem Editionsauftrag ist ein weitgesteckter konzeptioneller Rahmen verbunden, der im Laufe der langen Geschichte des Editionsunternehmens unterschiedlich ausgef√ľllt wurde. Bis heute geschieht dies im engen wissenschaftlichen Kontakt und Austausch mit der medi√§vistischen Forschung.
Die √Ąltere Reihe der "Deutschen Reichstagsakten" (Auswahl)
© Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
/ Robert Brembeck

Leopold Ranke: Reichstagsgeschichte ist Reichsgeschichte

Bereits in einem posthum erschienenen Beitrag aus dem Jahre 1838 "√úber einige noch unbenutzte Sammlungen deutscher Reichstagsakten" hatte Leopold Ranke dargelegt, dass "die Geschichte der Reichstage [...] die Geschichte der Regierung von Deutschland" sei. Im Rahmen der Frankfurter Verhandlungen der Germanisten im September 1846 sprach dar√ľber hinaus Georg Heinrich Pertz die Empfehlung aus, dem geplanten allgemeinen deutschen Geschichtsverein "einen bedeutenden wissenschaftlichen Gegenstand zum Ziele" zu setzen; "als solcher eigne sich ganz vorz√ľglich die Herausgabe der Reichstagsverhandlungen, welche den Kern der Reichsgeschichte bildeten". In der Reichstagsgeschichte konkretisierte sich mithin - so die zeitgen√∂ssische Auffassung - zugleich die Reichsgeschichte.

Julius Weizsäcker (1860-1889): Was sind "Reichstage"?

Ausgehend von diesen √úberlegungen sollte sich die Edition der "Deutschen Reichstagsakten" urspr√ľnglich auf die Dokumentation der Reichstage selbst konzentrieren (und dabei mittelbar auch die deutsche Reichsgeschichte erschlie√üen). Bereits fr√ľhzeitig waren jedoch die Schwierigkeiten erkannt worden, die mit der Definition des breit gef√§cherten Spektrums reichspolitischer Zusammenk√ľnfte als "Reichstage" verkn√ľpft waren. Die zeitgen√∂ssische Begrifflichkeit bietet zumindest f√ľr die Reichsversammlungen des sp√§ten Mittelalters hier keinen Anhaltspunkt, da der Ausdruck "Reichstag" erstmals am Ende des 15. Jahrhunderts, im unmittelbaren zeitlichen Umfeld des Wormser Reichstags 1495, quellenm√§√üig belegt ist.

In Verbindung mit den ersten editorischen Planungen hatte Georg Voigt 1859 auf den Umstand hingewiesen, dass "es zumal f√ľr das 14. und 15. Jahrhundert oft eine schwierige Frage [ist], ob dieser oder jener Versammlung der Charakter eines Reichstages zukomme oder nicht. Im zweifelhaften Fall ist eine Ausdehnung des Begriffes eher zu rechtfertigen als eine Einschr√§nkung." Entsprechend konstatierte auch Julius Weizs√§cker im Vorwort zum ersten Band der "Deutschen Reichstagsakten" (1867), dass "es [...] schon von vornherein sehr schwer, wo nicht unm√∂glich [ist], zu sagen, was in der Zeit, um die es sich zun√§chst handelt und in der kaum der Name f√ľr diese Sache vorkommt, ein Reichstag ist".

Drei Kriterien

Gleichwohl unternahm Julius Weizsäcker die schwierige, editorisch jedoch gebotene Aufgabe, Richtlinien zur Klassifizierung spätmittelalterlicher Reichsversammlungen zu entwickeln:

(1) Beratung von Reichsangelegenheiten;

(2) Einberufung der Zusammenkunft durch das Reichsoberhaupt bzw. Abhaltung der Versammlung in Anwesenheit des Königtums - persönlich oder durch bevollmächtigte Räte;

(3) Besuch durch F√ľrsten und st√§dtische Gesandtschaften.

Mit Blick auf die Behandlung von Reichsmaterien wurden neben diesen "wirkliche[n] Reichstage[n]" auch k√∂nigliche F√ľrsten- oder St√§dtetage ber√ľcksichtigt. Gleiches gilt f√ľr Wahl- und Kr√∂nungstage, Kurf√ľrstentage sowie "selbst einfache F√ľrstentage und St√§dtezusammenk√ľnfte, die eine hervorragende Reichssache betreffen, [...] auch wenn sie nicht vom K√∂nig berufen oder von seinen Vollmachttr√§gern geleitet wurden". Entscheidendes Kriterium war mithin - ganz im Sinne eines Leopold Ranke und Georg Heinrich Pertz - der reichspolitische bzw. reichsgeschichtliche Gehalt der betreffenden reichsst√§ndischen Zusammenk√ľnfte.

Auf der Grundlage dieser √úberlegungen wurden im Rahmen des ersten Bandes der "Deutschen Reichstagsakten" f√ľr die Jahre 1376 bis 1387 insgesamt 13 "Hauptversammlungen" konstitutiert, darunter zehn "Reichstage" (einschlie√ülich Wahl- und Kr√∂nungstagen), zwei k√∂nigliche St√§dtetage sowie ein k√∂niglicher F√ľrstentag. F√ľr die Jahre 1388 bis 1397 dokumentiert der zweite Band demgegen√ľber zehn "Hauptversammlungen": drei Reichstage, vier k√∂nigliche Friedenstage sowie drei F√ľrsten- und St√§dtetage.

Definitorische Probleme

In den folgenden Jahrzehnten sahen sich die Bearbeiter der "Deutschen Reichstagsakten" jedoch wiederholt mit definitorischen Problemen konfrontiert. Denn die Geschichte der sp√§tmittelalterlichen Reichsversammlungen ist durch vielf√§ltige politisch-rechtliche Aushandlungsprozesse zwischen "K√∂nigtum und Reich" bestimmt, die durch die von Julius Weizs√§cker formulierten allgemeinen Richtlinien nicht immer angemessen erfasst werden. Obgleich beispielsweise die im Januar 1409 von K√∂nig Ruprecht I. (1400-1410) einberufene Frankfurter Versammlung hinsichtlich der behandelten Reichsmaterien durchaus reichstags√§hnliche Z√ľge trug, wurde sie angesichts des Fehlens st√§dtischer Gesandtschaften nur als "K√∂niglicher F√ľrstentag" bezeichnet. √Ąhnliches gilt auch f√ľr die von Helmut Weigel (1891-1974) als "K√∂niglicher F√ľrstentag" klassifizierte Frankfurter Zusammenkunft im November 1439. Umgekehrt wurden sowohl die im Februar 1443 gef√ľhrten N√ľrnberger Verhandlungen als auch die Frankfurter Beratungen im Juni/Juli 1445 als "Reichstage" qualifiziert, obgleich eine Mitwirkung kommunaler Vertretungen hier nicht nachzuweisen ist.

Ludwig Quidde (1889-1935): erste Kontroversen

Mit dem zeitlichen Voranschreiten der "Deutschen Reichstagsakten" verband sich zugleich die Notwendigkeit, die im 15. Jahrhundert stark anwachsenden Stoffmassen editorisch angemessen zu bew√§ltigen. Unter der Leitung Ludwig Quiddes waren in der Zeit von 1898 bis 1906 drei weitere Reichstagsakten-B√§nde - f√ľr die Jahre 1431 bis 1437 - erschienen, welche die betreffenden Reichsversammlungen vor dem Hintergrund des Basler Konzils (1431-1449) breit dokumentierten. Kirchenfrage und Reichs(tags)politik verschr√§nkten sich hier auf das Engste. Dies f√ľhrte zu dem f√ľr die "Deutschen Reichstagsakten" bemerkenswerten Umstand, dass der insgesamt 1142 Seiten umfassende Band 10 (Gotha 1906) f√ľr die Jahre 1431 bis 1433 tats√§chlich keinen einzigen "Reichstag" pr√§sentiert.

Nachfolgend publizierte Hermann Herre 1912 den ersten Teil des Bandes 15, der auf 524 Seiten neben dem Frankfurter Wahltag (Februar 1440) sowie einer geplanten N√ľrnberger Reichsversammlung (November 1440 bzw. Januar 1441) vor allem reichspolitische Verhandlungen thematisierte. In diesem Zusammenhang entz√ľndete sich innerhalb der Historischen Kommission eine Kontroverse √ľber den Umgang mit dem umfangreichen Quellenmaterial und das weitere editorische Vorgehen der √Ąlteren Reihe.
Transkription

Auf das Gesuch Ew. Hochwohlgeboren vom 4./6. d. Mts. erwiedert der Vorstand des Gesammtarchivs, da√ü er der Commission zur Herausgabe der deutschen Reichstagsakten gern die tunlichste F√∂rderung des Unternehmens angedeihen lassen wird, und den beteiligten Regierungen direct auch die Genehmigung des Gesuchs empfohlen hat, das nach beiliegender Archivordnung an das hiesige Staatsministerium zu richten gewesen w√§re. Da die Genehmigung unbedingt erfolgen wird, so wird der Vorstand des Archivs in tunlichster K√ľrze die Archivalien an die im Schreiben genannte Stelle absenden lassen. Zum Gesuch selbst ist zu bemerken, da√ü die Versendung von Archivrepertorien (No. 1 des Gesuchs) unbedingt ausgeschlossen werden mu√ü, da die starke Benutzung der Archive dies verlangt.

Dr. Burkhardt
Schreiben des langj√§hrigen Leiters des Gro√üherzoglichen Staatsarchivs in Weimar Dr. Carl August Hugo Burkhardt (1830-1910) an Dr. Hermann Herre, au√üerordentliches Mitglied der Historischen Kommission in M√ľnchen, 6. Februar 1907, Sammlung der Arbeitsstelle Frankfurt der "Deutschen Reichstagsakten, √Ąltere Reihe"

Neue Editionsrichtlinien (1914)

Denkschrift Ludwig Quiddes zur Edition der √Ąlteren Reihe der "Deutschen Reichstagsakten" (1914 gedruckt) ¬© Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Im Rahmen der j√§hrlichen Plenarversammlung wurden schlie√ülich 1914 neue Editionsrichtlinien vereinbart, die sich wesentlich auf ein von Ludwig Quidde 1913 formuliertes Gutachten st√ľtzten. Gegen eine f√ľr die J√ľngere Reihe vorgesehene starke Komprimierung des Materials - mit Quellenausz√ľgen und -regesten in strikt chronologischer Anordnung - sprach sich Ludwig Quidde f√ľr die Fortsetzung des bisherigen Editionsverfahrens aus. Die Volltext-Dokumentation blieb dabei den Reichstagsakten im engeren Sinne vorbehalten, die im unmittelbaren Kontext der Reichsversammlungen und vergleichbarer Tagsatzungen entstanden waren. Alle √ľbrigen ausgew√§hlten Quellenst√ľcke sollten als Exzerpte bzw. in Form von Aktenreferaten wiedergegeben werden, die Einleitungen dar√ľber hinaus - wenn m√∂glich - in einer gek√ľrzten Fassung.

Hermann Heimpel (1935-1979): Akten zur Reichspolitik / Reichstagsakten

Durchaus kritisch wurden die 1914 beschlossenen neuen Editionsrichtlinien von Hermann Heimpel (1901-1988) betrachtet, der 1935 die Nachfolge Ludwig Quiddes als Abteilungsleiter der √Ąlteren Reihe angetreten hatte. Durch eine Konzentration auf Reichstagsakten im engeren Sinne w√ľrde man zwar bald zum Abschluss des Editionsunternehmens gelangen, h√§tte jedoch zugleich "mit dem Sieb gesch√∂pft". Entsprechend formulierte er 1958 - zum 100-j√§hrigen Bestehen der Historischen Kommission - konzeptionelle Modifikationen, die mit dem Hinweis auf die strukturellen Wandlungen des Reichs und der Reichspolitik vor allem seit den drei√üiger Jahren des 15. Jahrhunderts begr√ľndet wurden.

"Wir geben unter dem beizubehaltenden Titel der Reichstagsakten" - so Hermann Heimpel - "tats√§chlich Akten zur Reichspolitik", "weil die Reichstage als solche unter Friedrich III. gegen√ľber den fr√ľheren Regierungen zwar wichtig bleiben, aber im Ganzen doch unwichtiger werden". Die Reichstage bildeten auch weiterhin das "chronologische Ger√ľst", seien jedoch "eben nurmehr die gliedernden Stationen f√ľr die Geschichte der Reichspolitik im Ganzen". Gegen√ľber den bei der Gr√ľndung des Editionsunternehmens angedachten verfassungsgeschichtlichen Fragestellungen sollten nun verst√§rkt politisch-historische Gesichtspunkte Ber√ľcksichtigung finden: Akten zur Reichspolitik statt Reichstagsakten.

Verschärfung der editorischen Probleme

Die von Hermann Heimpel angemahnte st√§rkere reichsgeschichtliche Ausrichtung der "Deutschen Reichstagsakten" versch√§rfte jedoch noch einmal die altbekannten editorischen Probleme, die sich bei der Bew√§ltigung der stetig anwachsenden Stoffmassen ergaben. So waren nach 1935 insgesamt (bis 1979) nur drei weitere Reichstagsakten-B√§nde erschienen. Sollte das Editionsunternehmen nach mehr als 120 Jahren in absehbarer Zeit zu einem Abschluss gelangen, musste die konzeptionelle Gestaltung erneut kritisch √ľberdacht werden.

Erich Meuthen (1979-2002): Reichstagsakten als Tagakten

Entsprechende √úberlegungen orientierten sich nicht zuletzt an den Ergebnissen der j√ľngeren verfassungshistorischen Forschung, die vor allem auf die grunds√§tzliche institutionelle (Noch-)Offenheit der sp√§tmittelalterlichen Reichsversammlungen hingewiesen hatte. Nicht ein zuvor festgelegter Themen- und Teilnehmerkreis, nicht spezifische Verfahrensweisen oder bestimmte Orte, sondern das gemeinschaftliche Tagen war - so der langj√§hrige K√∂lner Abteilungsleiter Erich Meuthen (1929-2018) - "das strukturell Entscheidende. Wenn man sich ‚Äövertagte', klammerte man sich geradezu an den Sachverhalt des ‚ÄöTagens' als politischer Erfolgschance." "Reichstagsakten" werden so zu "Tagakten", die das Tagen als allgemeines reichspolitisches Handlungs- und Verhaltensprinzip verst√§rkt in das Blickfeld r√ľcken.

Weiträumiges Tagungsgeflecht

Zugleich wird auf diese Weise ein weitr√§umiges regionales und √ľberregionales Tagungsgeflecht sichtbar, das in seiner Bedeutung als tragendes Ger√ľst des sich formierenden fr√ľhneuzeitlichen Reichstags nicht zu untersch√§tzen ist. Entsprechend erscheinen die Reichsversammlungen des sp√§ten Mittelalters nicht mehr - wie noch in der √§lteren Forschung - als einsame "Solit√§re" im Gef√ľge der Reichspolitik, sondern als "Knotenpunkte" in einem bisweilen engmaschigen, bisweilen weitmaschigen "Tagungsnetz".

Editorische Konsequenzen

Doch welche editorischen Konsequenzen verbinden sich mit diesen √úberlegungen? Grunds√§tzlich orientiert sich die konkrete konzeptionelle Gestaltung der einzelnen Reichstagsakten-B√§nde am Verfahren und Verlauf der jeweiligen Reichsversammlungen, verschr√§nkt dabei jedoch zugleich chronologische, quellentypologische und thematische Ordnungsprinzipien zu einem komplexen Gesamtgebilde: von der Einberufung bis zur Beschlussfassung, von Urkunden und Briefen bis zu protokollartigen Aufzeichnungen, Reden und Rechnungen, von Reichssachen bis zu F√ľrstenmaterien.

"Konstruktivistischer" Charakter älterer Bände

Das bisweilen (allzu) starre Festhalten an institutionellen Kategorien (Einberufung, Verhandlungen, Abschied) auch in jenen F√§llen, in denen unmittelbare Quellenhinweise fehlen, haben vor allem den √§lteren B√§nden der "Deutschen Reichstagsakten" immer wieder den Vorwurf des "Konstruktivismus" eingebracht. Pr√§gnant formuliert wurde diese Kritik beispielsweise von Peter Moraw (1935-2013), der 1993 konstatierte, "da√ü es den von zahlreichen B√§nden der √Ąlteren Reihe der Deutschen Reichstagsakten edierten Reichstag des sp√§ten Mittelalters √ľberhaupt nicht gegeben" habe. Dieser sei vielmehr "(bis etwa 1470) ein Phantom der Sucher nach dem Staat" gewesen.

Regensburg 1454: die gelehrte "Meistererzählung"

Das "klassische Schema" der √§lteren B√§nde - mit der "institutionellen" Pr√§sentation der einzelnen Reichstage - war mit dem von Henny Gr√ľneisen (1917-1973) und Helmut Weigel 1969 publizierten Band 19/I zu den Regensburger Beratungen im Fr√ľhjahr 1454 gelockert bzw. erweitert worden. Ganz im Sinne Hermann Heimpels wurde eine st√§rker reichsgeschichtlich orientierte Quellendokumentation geboten, die auf einer wesentlich narrativen Grundlage die einschl√§gigen Aktenst√ľcke zusammenf√ľgte. Die vorhandenen Stoffmassen sollten nicht zuletzt durch zahlreiche Teildrucke und Aktenreferate bew√§ltigt werden. Auf diese Weise entstand eine gelehrte "Meistererz√§hlung", die durch die kunstvolle Verbindung thematisch zusammengeh√∂riger Quellenpassagen die Geschichte der Regensburger Reichsversammlung aktenm√§√üig nachzeichnete.

Gegenwart und Zukunft: die "offene Edition"

Gest√ľtzt auf die zitierten √úberlegungen Erich Meuthens wurde demgegen√ľber f√ľr die noch in Bearbeitung befindlichen Reichstagsakten-B√§nde ein Konzept der "offenen Edition" entwickelt, die - sofern m√∂glich - das Panorama der betreffenden Reichsversammlungen multiperspektivisch aufzuf√§chern sucht. "Offene Edition" meint in diesem Zusammenhang eine st√§rker objektivierende Quellenpr√§sentation, die m√∂glichst vielf√§ltige Informationen zu den jeweils ausgew√§hlten Schriftst√ľcken zusammenstellt.

Zum einen ist damit das Bem√ľhen verkn√ľpft, die in der Forschung zumindest implizit eingeforderte interpretatorische "Offenheit" der "Deutschen Reichstagsakten" editorisch angemessen umzusetzen. "Konstruktivistische" Engf√ľhrungen des Quellenmaterials sollen - im Sinne der Kritik Peter Moraws - vermieden werden, die volatilen politisch-rechtlichen Aushandlungsprozesse zwischen "K√∂nigtum und Reich" hingegen verst√§rkt Beachtung finden. Zum anderen verbindet sich mit dem Konzept der "offenen Edition" das Bestreben, die ausgew√§hlten Quellen in gleicher Weise auch f√ľr andere Themenstellungen nutzbar zu machen und nicht auf ihren reichstagsrelevanten Informationsgehalt zu reduzieren.

Ein Beispiel: technische K√ľrzungen

Noch Hermann Heimpel hatte die Auffassung vertreten, dass in zahlreichen F√§llen "die Titulaturen gleichg√ľltig sind und st√∂ren". Und so d√ľrfe denn auch "das Charakteristische vom Typischen nicht wie vielfach fr√ľher erstickt [werden], damit nicht der Benutzer vom ewig Wiederkehrenden erm√ľdet werde". Doch auch und gerade dem Seriellen und Typischen kann ein spezifischer historischer Erkenntniswert zugeordnet werden. So wird beispielsweise im Rahmen der gegenw√§rtigen Editionsarbeit auf technische K√ľrzungen (bei Anreden, Titulaturen, Gru√üformeln, Datumszeilen) verzichtet. Der potentielle Mehrwert f√ľr alte und neue Forschungsfragen ist letztlich gr√∂√üer als der Gewinn durch wenig raumsparende und zugleich zeitaufw√§ndige K√ľrzungsarbeiten, die das (vermeintlich) Charakteristische st√§rker in den Vordergrund r√ľcken.
Zitiervorschlag
Gabriele Annas: Die √Ąltere Reihe der "Deutschen Reichstagsakten": Konzeptionelle √úberlegungen, in: Mathias Kluge (Hg.), Mittelalterliche Geschichte. Eine digitale Einf√ľhrung (2021). URL: http://mittelalterliche-geschichte.de/1/1/index.php?id=126&lang=de&tpl=2#

Fördergeber: GHI / University of Alberta in Edmonton (Kanada) / DFG (WAP - Großgeräte der Länder) / Kurt-Bösch-Stiftung / Universität Augsburg / Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg / Bankhaus Hafner / Sin Cinema Filmproduktion